Kolumne 932 vom 19.11.2018: Trumps verordnete Hetze

19.11.18 (von maj) US-Präsident Donald Trump schürt mit seiner brandgefährlichen Rhetorik den Hass im Land

Mumia Abu-Jamal * Link zum Artikel in junge Welt Nr. 269 vom 19. November 2018: Bitte HIER klicken![1]

Trumps verordnete Hetze
Das Kaddisch ist Teil der jüdischen Liturgie und wird zum Totengedenken am Grabe Verstorbener gesprochen. Es ist eine der wichtigsten Lobpreisungen des jüdischen Glaubens, ein Gebet über Leben und Verlust. Ende Oktober wurde es unter den Frommen der jüdischen Gemeinde Pittsburghs in Pennsylvania viele Male rezitiert. Denn am 27. des vergangenen Monats war ein mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffneter weißer Rassist in die Synagoge »Baum des Lebens« mit dem Schlachtruf »Alle Juden müssen sterben« eingedrungen und hatte unter den Gläubigen und ihren Gästen ein Blutbad angerichtet.
An jenem Samstagmorgen waren mehr Menschen anwesend als bei anderen Schabbat-Gottesdiensten, weil auch eine Beschneidungszeremonie für einen neugeborenen Jungen stattfand, eine Feier, an der auch Verwandte und Freunde der Eltern teilnehmen. Die Synagoge im Stadtteil Squirrel Hill ist eines der bedeutendsten Zentren der jüdischen Gemeinde in den USA. Der 46 Jahre alte Weiße, der seit Jahren im Internet als glühender Antisemit und Fremdenfeind in Erscheinung getreten war, tötete elf Menschen und verwundete sechs weitere, bevor er von Polizisten überwältigt wurde.
Dieses Massaker ereignete sich nur zwei Tage, nachdem ein anderer weißer US-Amerikaner mehrere Postsendungen mit Rohrbomben an Expräsidenten der USA, einen bekannten Schauspieler und einige prominente afroamerikanische Politiker geschickt hatte. Was verbindet diese Ereignisse miteinander außer ihrem engen zeitlichen Zusammenhang? Beide Männer hinterließen im Internet Hassbotschaften gegen Migrantinnen und Migranten, die sie als »Invasoren« beschimpften.
Wo war dieses Wort in jüngster Zeit auch noch sehr oft zu hören? Auf den täglichen Wahlkampfveranstaltungen von Donald Trump. Regelmäßig brachte der US-Präsident seine Anhängerschaft vor den Zwischenwahlen dazu, ihm unter frenetischem Applaus zuzujubeln, wenn er Migranten und Geflüchtete aus Lateinamerika als »Invasoren« Nordamerikas verdammte.
Ja, es stimmt, dass Trump sich nach dem Massaker von Pittsburgh gegen Antisemitismus und gegen den Hass auf jüdische Menschen aussprach. Aber ich bitte alle, die die Möglichkeit haben, sich die Reaktion seines Publikums noch einmal genau anzuhören. Da war nur Stille, kein Beifall, keinerlei wahrnehmbare Zustimmung. Nur Schweigen, das Schweigen der Lämmer.
Von Beginn an hatte Trump im Präsidentschaftswahlkampf bei seinen Auftritten gegen »kriminelle« Mexikaner gehetzt, ging später dazu über, Migranten aus den lateinamerikanischen Ländern zum Ziel seiner Angriffe zu machen. Und nach seiner verhängnisvollen Hofierung weißer Nationalisten, die im August 2017 in Charlottesville für den gewaltsamen Tod einer Antifaschistin verantwortlich waren – wen überrascht da noch der Hassausbruch gegen Juden?
Es war Trump, der mit seiner brandgefährlichen Rhetorik bei Wahlkampfkundgebungen überall im Land den Hass schürte. Wie können wir überrascht sein, wenn jene, die ihm an den Lippen hängen, Bombenpakete an Trump-Kritiker versenden oder das Feuer auf die Ziele des Hasses eröffnen?
Übersetzung: Jürgen Heiser


Links im Artikel: 1
[1] https://www.jungewelt.de/artikel/343797.trumps-verordnete-hetze.html

Ausdruck von: http://freedom-now.de/news/artikel1662.html
Stand: 17.11.2019 um 03:20:10 Uhr