Kolumne 862 vom 26.06.2017: Todesschütze bleibt straffrei

26.06.17 (von maj) In den USA ging eine Geschworenenjury wieder einmal von dem Grundsatz aus, dass das Leben eines Schwarzen keinen Wert an sich hat und dass man ihn deshalb wie ein paar alte Schuhe auf den Müll werfen durfte

Mumia Abu-Jamal * Link zum Artikel in junge Welt Nr. 145 vom 26. Juni 2017: Bitte HIER klicken![1]

Todesschütze bleibt straffrei
Dieses Video lässt einen nicht mehr los. Zu hören ist die Stimme einer Frau, die kaum ihre Wut unterdrücken kann. Sie spricht jedoch leise und kontrolliert, weil ein Polizist seine Waffe auf sie richtet und sie auffordert, ihre Hände zu zeigen. Ihr Name ist Diamond Reynolds, und sie nimmt das Video mit ihrem Handy auf. Neben ihr auf dem Fahrersitz verblutet ihr von fünf Projektilen aus der Dienstwaffe des Polizisten getroffener Lebensgefährte.

Auf der Rückbank sitzt Reynolds’ vierjährige Tochter und macht große Augen, weil das Kind nicht versteht, was gerade passiert. Der 32jährige Fahrer Philando Castile stirbt, während ein Wortwechsel stattfindet, nicht mit ihm, sondern über ihn. Mit atemlos vor Angst zitternder und bebender Stimme redet der Polizist auf die Frau ein und richtet dabei weiterhin seine Waffe auf sie.

Der Cop Jeronimo Yanez hat gerade Philando Castile erschossen und versucht der Frau zu erklären, warum er das getan hat. »Er hat sich bewegt. Hat nach seiner Waffe gegriffen!« stößt Yanez hervor. Diamond Reynolds erwidert, ihr Freund habe nur nach seiner Brieftasche gegriffen, weil darin seine Fahrerlaubnis und sein Waffenschein seien. Warum wurde der Wagen, in dem das Paar mit dem Kind saß, von der Polizeistreife gestoppt? Nach Yanez’ Angaben, weil am Wagen ein Bremslicht nicht funktionierte.

Der Vorfall hatte sich schon im Juli 2016 in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota ereignet, aber erst jetzt wurde gegen den Todesschützen vor Gericht verhandelt. Vergangene Woche erlöste die Jury eines Schwurgerichts den Polizisten Yanez von seinen schlimmsten Ängsten und sprach ihn vom Vorwurf des Totschlags frei. Die Geschworenen nahmen dem 29jährigen Yanez seine Geschichte ab, »der Schwarze« habe im Verdacht gestanden, »einen Raub begangen« zu haben.

Wieder einmal ging eine Jury offenbar von dem Grundsatz aus, dass das Leben eines Schwarzen keinen Wert an sich hat und dass man ihn deshalb wie Dreck behandeln und wie ein paar alte Schuhe auf den Müll werfen durfte. Philando Castiles Name gehört nun zu einer langen Liste ermordeter schwarzer Männer, Frauen und Kinder, die in den USA auf dem Altar der Furcht der Weißen geopfert wurden.

Übersetzung: Jürgen Heiser


Links im Artikel: 1
[1] https://www.jungewelt.de/artikel/313084.todessch%c3%bctze-bleibt-straffrei.html?sstr=todessch%c3%bctze%7cbleibt%7cstraffrei

Ausdruck von: http://freedom-now.de/news/artikel1541.html
Stand: 13.11.2019 um 08:15:44 Uhr