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Kolumne # 640 vom 30.03.2013: Zweierlei Maß

30.03.13 (von maj) Die USA klagen andere Staaten wegen Verbrechen an, die sie oder ihre Verbündeten selbst begehen

Mumia Abu-Jamal * junge Welt Nr. 75 – 30./31. März/1. April 2013

Als der US-Präsident kürzlich Israel besuchte, hatte dieses Spektakel sowohl etwas Großartiges als auch etwas Schreckliches an sich. Zu sehen wie Barack Obama sich auf der Weltbühne bewegt, ist großartig, weil er ein Schwarzer ist und als solcher eine herausragende Persönlichkeit, die über politische Macht verfügt. Schrecklich daran ist jedoch, daß er seine außergewöhnlichen Talente ausgerechnet in den Dienst des Imperiums stellt.
Wenn er seine eloquenten Reden hält, die so völlig anders sind als die seines Vorgängers, dann zeigt sich in seiner Argumentation eine offensichtliche Vernunft, mit der er seinen Vorgänger um Längen schlägt. Hört man jedoch genauer hin, dann finden sich zwischen den Zeilen und in dem, was nicht ausgesprochen wird, die gleichen imperialen Auffassungen und Anmaßungen.
Es ist immer wieder ernüchternd festzustellen, wie leicht die USA ein anderes Land wegen eines Übels anklagen, das sie selbst oder ihre Verbündeten straflos und wie selbstverständlich begangen haben. Der Vorwurf, die Islamische Republik Iran arbeite an einer Atomwaffe, ist höchstwahrscheinlich unzutreffend, aber Israel kann ungestraft Hunderte Atomwaffen in seinen Arsenalen lagern. Während der Diktatur Schah Reza Pahlewis durften iranische Wissenschaftler sogar Atomtests am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, Massachusetts, durchführen. Aber das ist lange her, denn der heutige Staat Iran ist nicht mehr der des Schahs von Persien. Heute sitzt dort ein religiöser Führer im Machtzentrum, der, anders als der Schah, keine bezahlte Marionette der USA ist.
Der syrische Staat wird regelmäßig wegen des ebenso regelmäßig bestrittenen Vorwurfs, die Regierung von Präsident Baschar Al-Assads setze chemische Waffen ein, attackiert. Israel hingegen kann Bomben auf Gaza werfen, die weißen Phosphor enthalten, einen extrem giftigen chemischen Kampfstoff, der sich beim geringsten Kontakt mit Sauerstoff entzündet und alles verbrennt, was er berührt. Und die US-Regierung reagiert darauf, als hätte die israelische Luftwaffe Kaffeedosen abgeworfen!
Apropos chemische Waffen: Erinnert sich noch jemand an den Einsatz von »Agent Orange«? Die US-Luftwaffe hat damit Vietnams ausgedehnte Waldgebiete entlaubt und dort einen unkalkulierbaren ökologischen Schaden unter Mensch und Natur angerichtet. Das 1975 wiedervereinigte sozialistische Vietnam hat bis heute mit den Folgen des Chemiewaffeneinsatzes zu kämpfen. Und dann sind da noch Zehntausende US-GIs, die schwer erkrankt sind, weil sie als Soldaten in Vietnam diesem gefährlichen Dioxingift ausgesetzt waren, und deren Kinder wie Hunderttausende Kinder in Vietnam auch mit Fehlbildungen geboren wurden und werden.

Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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