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»Sie haben sich zusammengeschlossen«

20.07.11 (von ivk-jW) US-Gefängnisbehörden versuchen, die Hungerstreikenden in Kalifornien zu spalten. Ein Gespräch mit Carol Strickman

Aus: »Schwerpunkt« junge Welt Nr. 166 – 20. Juli 2011

Carol Strickman ist Anwältin des Rechtshilfevereins »Gefangene mit Kindern« und Mitglied des Mediatorenteams, das die Häftlinge des Pelican Bay Staatsgefängnisses gegenüber den Behörden vertritt

Wie ist die aktuelle Situation der streikenden Gefangenen?
Ein Krankenpfleger macht stündlich seine Runde und schaut nach, wer zusammengebrochen und ohnmächtig ist. Der wird dann rausgeholt und verlegt.

Wohin werden diese Gefangenen verlegt?
In die Krankenstation des Gefängnisses. Die ist sehr klein und hat nur 20 Betten. Einige Gefangene werden deshalb womöglich in nahegelegene Hospitäler oder in ein Gefängniskrankenhaus verlegt. Bei ihrem Versuch, diesen Hungerstreik zu brechen und die Gefangenen einzuschüchtern, setzt die staatliche Gefängnisbehörde California Department of Corrections and Rehabilitation (CDCR) alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein. Es wurde ein Flugzettel verteilt, der davor warnte, den Hungerstreik aufzunehmen. Es würde mich nicht überraschen, wenn sie jetzt versuchten, Häftlinge zum Abbruch zu überreden. Wir haben die Verantwortlichen gebeten, in Verhandlungen zu treten, aber bis vor kurzem hieß es noch: »Wir verhandeln nicht mit Gefangenen.« Bislang gab es nur Treffen, aber es wurde noch nicht verhandelt.

Das CDCR hat also noch nicht einmal mit den Vertretern der Gefangenen verhandelt?
Genauso ist es. Und sie setzen verschiedene Methoden des »Teile-und-Herrsche« ein. Sie hätten gern, daß die Sache in aller Stille im Sande verläuft.

Konnte medizinisches Personal von draußen die Gefangenen besuchen?
Soweit ich weiß, gab es noch keinen Kontakt von externen Medizinern zu den Gefangenen.

Gab es Repressalien gegen Streikführer oder Gefangene, die sich an dem Streik beteiligen?
Es gab Repressalien und Provokationen schon vor Beginn des Hungerstreiks, nicht nur gegen Anführer des Streiks, sondern gegen jeden, der erkennen ließ, daß er bereit ist, den Streik zu unterstützen. Zum Beispiel mit »Potty Watch« (dt. etwa »Töpfchen-Kontrolle«).
Das ist eine äußerst grausame Prozedur, bei der Leute drei Tage lang abgesondert werden. Ihnen werden Erwachsenenwindeln angelegt, sie werden stehend oder liegend mit Fesseln fixiert und können ihre Arme nicht bewegen. Als Begründung heißt es, der Häftling habe verbotene Gegenstände verschluckt. Man werde drei Tage warten und den Stuhlgang kontrollieren, um zu finden, was er verschluckt hat. Dahinter stecken aber andere Gründe. Das wird zur Bestrafung eingesetzt, auch wenn man weiß, daß es gar nichts zu finden gibt. Aber selbst wenn man wüßte, daß Gefangene etwas geschluckt haben, dürfte diese Prozedur nicht angewendet werden.

Wird versucht, die Gefangenen zu spalten?
Dieser Hungerstreik ist gerade deshalb so einzigartig und bedeutend, weil in ihm Gruppeninteressen überwunden werden. Die Gefängnisleitung ist daran interessiert, daß Gefangene sich über Gruppen definieren und sich voneinander abgrenzen. Man muß einfach zu einer Gruppe gehören. Jetzt aber haben sich alle zusammengeschlossen. Ich hörte, wie Gefangene den Begriff »Kollektiv« benutzten. Gruppen, die vorher Todfeinde waren, haben sich in diesem Streik vereinigt. Das ist sehr unangenehm für die Gefängnisbehörde, und deshalb versucht sie, diese Einheit zu zerschlagen.

Aus: Revolution Online Nr. 239. Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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