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Kolumne # 510 vom 2.10.2010: Mediale Kriegsvorbereitung

02.10.10 (von maj) Die Stilisierung Ahmadinedschads zum »Wahnsinnigen« soll Ängste in der Bevölkerung schüren

Mumia Abu-Jamal * junge Welt Nr. 230 – 2./3. Oktober 2010

Wer sich mit der Macht der Medien auseinandersetzt, sollte einmal einen unredigierten Agenturbericht über ein Ereignis mit dem vergleichen, was Zeitungs- und Rundfunkredaktionen daraus machen. Ein erhellendes Beispiel sind in diesem Zusammenhang die Berichte über die letzte Rede des Präsidenten der Islamischen Republik Iran, Mahmud Ahmadinedschad, vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen. Davon ausgehend, daß die in Fahrsi gehaltene Rede wortgetreu ins Englische übersetzt wurde, hat der iranische Präsident ausgeführt, es gebe »einige Amerikaner«, die glaubten, die »US-Regierung selbst« sei »verantwortlich für 9/11«, also die Angriffe gegen US-Ziele am 11. September 2001. Ahmadinedschad gab dies nicht als seine eigene Meinung aus, sagte vielmehr, »einige Amerikaner« seien dieser Meinung.
Wenn der Verfasser und die Leser dieser Kolumne sich fragen, ob es wahr ist, daß einige US-Bürger dieser Meinung sind, dann kann die Antwort ehrlicherweise nur sein: Ja, das trifft zu. Die westlichen Medien jedoch sind ihrer eigenen Propaganda vom »wahnsinnigen Mahmud« derart verfallen, daß sie darüber berichteten, als habe Ahmadinedschad seine eigene Meinung über den 11. September geäußert. Sie brachten es wie den neuesten Beleg für die Verrücktheit dieses »Fremden«, der einmal mehr vor der UNO-Vollversammlung seinen Blödsinn verzapfte.
Warum sie das tun? Zum einen, weil sich solch sensationelle Meldungen besser verkaufen lassen. Die Me­dien schleifen sich ihre Nachrichten zurecht und bauschen sie auf, weil ihnen das größere Profite verspricht. Wen sie jeweils an den Pranger stellen, ist ihnen eigentlich egal. So läuft eben das Geschäft. Warum sich also aufregen? Wegen des zweiten Grundes, aus dem die Medien solche manipulierten Nachrichten verbreiten: Sie sind das Rohmaterial, aus dem Vorwände für Kriege geschaffen werden.
US-Präsident Dwight D. Eisenhower war es, der kurz vor dem Ende seiner Amtszeit in seiner Abschiedsrede vom 17. Januar 1961 den Begriff vom »militärisch-industriellen Komplex« gebrauchte und vor der engen Zusammenarbeit zwischen Politik, Militär und Rüstungsindustrie warnte: »Wir müssen uns vor unbefugtem Einfluß – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – durch den militärisch-industriellen Komplex schützen. Das Potential für die katastrophale Zunahme fehlgeleiteter Kräfte ist vorhanden und wird weiterhin bestehen. Wir dürfen es nie zulassen, daß die Macht dieser Kombination unsere Freiheiten oder unsere demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gegeben hinnehmen. Nur wachsame und informierte Bürger können das angemessene Vernetzen der gigantischen industriellen und militärischen Verteidungsmaschinerie mit unseren friedlichen Methoden und Zielen erzwingen, so daß Sicherheit und Freiheit zusammen wachsen und gedeihen können.«
Eisenhower hatte recht, aber er ging nicht weit genug. Es hat sich tatsächlich ein militärisch-industriell-medialer Komplex herausgebildet. Die Medien sind ein integraler Bestandteil dieser Allianz. Der Irak-Krieg hätte ohne die Propaganda und die Kumpanei der Medien niemals geführt werden können. Sie waren es, die der US-Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit den Krieg im wahrsten Sinne des Wortes »verkauften«, indem sie die Lügen der Bush-Regierung verbreiteten und Ängste schürten. Im Gegensatz dazu wurde den Stimmen der Antikriegsbewegung kaum Raum gegeben, oder sie wurden schlicht verschwiegen.
Wenn wir uns vor Augen halten, wie die Medien in der Vergangenheit ihre Fehlinformationen völlig folgen- und straflos verbreiten konnten, ist es nicht undenkbar, daß sie uns in ein paar Monaten wieder einen Krieg »verkaufen« – diesmal gegen Iran. Vielleicht müssen wir dann erkennen, daß die Falschmeldungen über Ahmadine­dschads UNO-Rede dabei nur der Eröffnungsschachzug waren. Saddam Hussin hat auch nicht wirklich geglaubt, die früher mit ihm verbündeten USA könnten wirklich den Irak angreifen und besetzen – bis die Panzer gegen Bagdad rollten. Und das war nur möglich, weil die Medien ihn systematisch zum Buhmann aufgebaut hatten.

Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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