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Kolumne 1. Mai 2010: Blutzoll für Achtstundentag

30.04.10 (von maj) Vor über 120 Jahren wurde der Ursprung des 1. Mai als Symbol der Arbeitermacht gelegt. Die Tendenz, nun Ausdruck für deren Niedergang zu werden, kann und muß gestoppt werden

Mumia Abu-Jamal * junge Welt Nr. 100 – 30. April/1.-2. Mai 2010

Als internationaler Kampftag der Arbeiterklasse hat der Feiertag 1. Mai seinen Ursprung in den USA. Seine Geburtsstunde schlug während eines am 1. Mai 1886 von den Gewerkschaften landesweit ausgerufenen mehrtägigen Generalstreiks für den Achtstundentag. In Chicago ging die Polizei am 3. Mai 1886 brutal gegen eine Versammlung von Streikenden vor, wobei sechs Arbeiter getötet und weitere verletzt wurden. In der folgenden Nacht versammelten sich mehrere tausend Streikende und marschierten zum Haymarket Square. Auch diese Versammlung versuchte die Polizei aufzulösen, scheiterte aber an der Entschlossenheit der Protestierenden.
Die Lage eskalierte am nächsten Tag, dem 4. Mai, während einer erneuten Kundgebung auf dem Haymarket Square, als sich dort Tausende Werktätige mit ihren Familien versammelten, um für den Achtstundentag, ein Ende der Kinderarbeit und für das Recht, sich in Gewerkschaften zu organisieren, zu demonstrieren. Zu jener Zeit ächteten die Gerichte in den USA Gewerkschaften noch als »kriminellen Syndikalismus«.
Als die Chicagoer Polizei auch diese Kundgebung auflösen wollte, wurde aus der Menge eine Bombe geworfen, durch deren Explosion ein Polizist getötet wurde. Die Polizisten eröffneten daraufhin wie wild das Feuer, verletzten über 200 und töteten Dutzende Kundgebungsteilnehmer, trafen aber auch eigene Kollegen. Am Ende waren insgesamt acht Polizisten tot, und ebenso viele Aktivisten wurden als Organisatoren der Kundgebung verhaftet. Unter fabrizierten Anklagen wurden sie wegen des Bombenanschlags in Schauprozessen verurteilt. Richter Joseph Gary argumentierte, der Bombenwerfer habe auf Grund der Ideen der Angeklagten gehandelt, weshalb diese ebenso schuldig wären, als hätten sie den Anschlag selbst verübt. Drei wurden nach Berufungsverhandlungen hingerichtet, die anderen zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt.
In den USA und weltweit radikalisierten die Haymarket-Prozesse die Arbeiterschaft und führten sie in großen Manifestationen zusammen. 1889 wurde der 1. Mai deshalb auf dem Gründungskongreß der Zweiten Internationale zum Gedenken an die Opfer des Haymarket-Massakers als »Kampftag der Arbeiterbewegung« ausgerufen und am 1. Mai 1890 zum ersten Mal als Ausdruck der Arbeitermacht begangen und gefeiert.
Heute aber scheint der 1. Mai zu einem Symbol für den Niedergang dieser Macht zu werden. Die Gründe dafür sind in den Erschütterungen, dem Beben und Nachbeben der Krise des Wirtschaftssystems zu suchen. Banken und Unternehmen bekamen ungeheure Summen an gesellschaftlichem und kommunalem Reichtum zugeschanzt – Rettungaktionen für Milliardäre, während die Arbeiterschaft sich bestenfalls mit massiven Sozialkürzungen, schlimmstenfalls aber mit massenhaften Entlassungen konfrontiert sah.
Karl Marx und Friedrich Engels haben schon im Kommunistischen Manifest hervorgehoben, daß der moderne Staat alleiniger Erfüllungsgehilfe der Bourgeoisie ist. Wie sonst kann es auch sein, daß die Machthaber dieser Welt Hunderte Milliarden in die Unternehmenssäckel füllen, während sie für die Werktätigen und ihre Familien nur ein paar Almosen übrighaben.
Der 1. Mai steht immer noch für die Kämpfe der Arbeiterklasse in den Amerikas, in Europa, Afrika und Asien gegen staatliche Unterdrückung und die Raffgier des Kapitals. Auf den kurzen Begriff gebracht, befindet sich der Kapitalismus in einer tiefgreifenden Krise, und die unter erlogenen Vorwänden begonnenen Kriege und der sehr reale Machtzuwachs der Filzokratie spiegeln diese Krise sehr deutlich.
Wenn die Werktätigen sich wieder auf ihre nach Milliarden Menschen zählende Macht besinnen, die zwischen ihnen errichteten künstlichen Barrieren überwinden und sich im Kampf vereinigen, dann können sie eine neue und bessere Welt schaffen. Eine solche Welt, in der das Leben und die Freiheit kostbarere Werte sind als Geld und Profit, ist nicht nur möglich, sondern notwendig.

Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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