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Kolumne 14.02.09: Zeit des Zusammenbruchs

14.02.09 (von maj) Globalisierung zeigt, was sie kann: Die Krise erfaßt mit hohem Tempo alle Länder und Regionen

Mumia Abu-Jamal * junge Welt Nr. 38 - 14./15. Febr. 2009

Was sich in diesen Tagen in der US-Wirtschaft zeigt, hat es in dieser Dramatik seit den Zeiten der Großen Depression in den 1930er Jahren nicht mehr gegeben. Unternehmen sind im Moment dabei, Arbeitskräfte abzuschütteln wie Bäume ihr Laub im Herbst, so daß es fast einfacher erscheint, die Namen der Unternehmen zu nennen, die das nicht tun. Doch die dürften kaum zu finden sein. Allein im Januar 2009 haben eine halbe Million Arbeiter und Angestellte in den USA ihre Kündigungsschreiben erhalten.
Diese Krise betrifft nicht nur die USA, sondern sie erfaßt mit hohem Tempo die Wirtschaft aller Länder und Regionen der Welt. Die europäischen Ökonomien sind wie in einem Schraubstock eingezwängt. Die Regierungen wirtschaftlich starker Länder wie England und Frankreich haben ambitionierte Rettungsprogramme beschlossen, die Anreize für die ins Stocken geratenene Konjunktur ihrer Nationalökonomien bieten sollen. England hat renommierte Bankhäuser verstaatlicht, um ihren völligen Zusammenbruch abzuwenden. Island hat praktisch den Staatsbankrott erklärt, weil nicht nur das Bankensystem, sondern der ganze Staatshaushalt in den Abgrund gestürzt ist.
Und obwohl China, der Hort der robustesten Wirtschaft im Weltvergleich, immer noch ein Wirtschaftswachstum aufweisen kann, ist die Wachstumsrate dort derart gefallen, daß bereits über 20 Millionen Menschen ihre Arbeit verloren haben – unglaubliche 20 Millionen! Auch dies ist eine unmittelbare Auswirkung der Rezession in den USA.
Vor etwas über einem Jahr hat Nouriel Roubini, US-Nationalökonom und Professor an der Stern School of Business in New York, auf dem Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos davor gewarnt, die US-Wirtschaft erscheine nur als ein »sich entwickelnder Markt«. In Wirklichkeit, so sagte Roubini voraus, werde das Land bald in eine Rezession geraten, die mindestens ein Jahr dauern werde. »Der Punkt dabei ist nicht, ob wir eine weiche oder harte Landung haben werden«, so Roubini, »sondern es geht einzig um die Frage, wie hart die harte Landung sein wird.«
Ein chinesischer Wirtschaftswissenschaftler bestätigte diese Einschätzung. Yu Yongding von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften beschrieb die Ökonomie seines Heimtlandes als »in einer heiklen Phase« befindlich. Auch für China sei die »äußerst prekäre Situation« der US-Wirtschaft das Hauptproblem.
Seit Jahren wurde uns die Globalisierung – wohlgemerkt: unter kapitalistischen Vorzeichen! – als die beste Sache angepriesen, die der Menschheit nach der Industrialisierung passieren konnte. Die US-Amerikaner und ihre Zeitgenossen in den wirtschaftlichen Machtzentren der Welt sahen sich dabei in der behaglichen Wärme des »Informationszeitalters« eingerichtet und träumten davon, sich auf ihren Computerbildschirmen in aller Ruhe ansehen zu können, wie der Rest der Welt für sie die niederen Arbeiten verrichtet.
Was bleibt von dieser Illusion?

(Übersetzung: Jürgen Heiser)

 
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