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Kolumne 11.10.03: Nirwana der Verdammten

13.10.03 (von maj) In den USA sitzen viele Unschuldige wie Nicholas Yarris in den Todestrakten

Mumia Abu-Jamal * junge Welt Nr. 237, 11./12. Oktober 2003

Seit über zwei Jahrzehnten erlebt Nicholas Yarris einen Alptraum im Alptraum. Es ist sicherlich schon »Alptraum« genug, im Todestrakt zu leben, dem Nirwana der Verdammten, wo man 22 Stunden am Tag in seine Zelle weggesperrt wird, am Wochenende sogar 48 Stunden.
Es gibt natürlich auch dort noch Schlimmeres, zum Beispiel wenn man als Vergewaltiger oder Mörder bekannt ist.
Was aber, wenn man unschuldig ist?
Über zwanzig Jahre lang hat Nick beteuert, daß er unschuldig ist, aber das hat nur wenige interessiert. In den letzten zehn Jahren hat er für DNA-Tests gekämpft, doch die Tests kamen jedesmal mit dem Vermerk »ohne Beweiskraft« zurück.
So geht das bis heute.
Vor kurzem hat Yarris' Anwältin, die ihn im anhängigen Verfahren vor den Bundesgerichten vertritt, einen Antrag auf Haftprüfung gestellt. Christina Swarns forderte in ihrem Schriftsatz: »Eine Sache ist nun klar: Mr. Yarris sollte nicht eine Minute länger hinter Gittern verbringen müssen, schon gar nicht im Todestrakt. Er ist unschuldig im Sinne der Anklage und sollte sofort freigelassen werden.«
Seine Verteidigerin schrieb diesen Zeilen, weil sie vor kurzem das Ergebnis des letzten DNA-Test erhalten hat, den der landesweit bekannte DNA-Experte Edward Blake von den Forensic Science Associates aus dem kalifornischen Richmond durchgeführt hatte. Mit den Tests wurden drei Proben des Mord- und Vergewaltigungsopfers , einer 32-jährigen Mutter namens Linda Mae Craig, untersucht. Es handelte sich dabei um Sperma, das ihrem Körper entnommen wurde, Hautreste unter ihren Fingernägeln und Spuren, die von einem
Handschuh entnommen worden waren, den der Vergewaltiger nach den Feststellungen der Staatsanwaltschaft bei seinem Angriff auf das Opfer getragen haben soll. Keines der Testergebisse stimmte mit der DNA von Nick überein.
Seit 1981 hat die Staatsanwaltschaft behauptet, daß Yarris im Gefängnis ein Geständnis abgelegt hat. Dieser »Beweis« scheint genau so wertlos zu sein wie die physischen Testergebnisse. Doch die Staatsanwaltschaft in Delaware County ist nicht Willens oder nicht in der Lage, Nick gehen zu lassen. Sie hat angekündigt, seine Freilassung zu verhindern. In einer unglaublichen Erklärung hat Staatsanwalt Michael Green verkündet, »die DNA-Testergebnisse bestätigen weder direkt noch indirekt Yarris' Unschuld und sie lassen auch nicht auf
eine fehlerhafte Verurteilung schließen.«
Es überrascht nicht, daß Nick Yarris nach wie vor den furchtbaren Bedingungen des Todestrakts unterworfen ist. Jetzt geht die Sache wieder vor einen Richter - zum wiederholten Mal. In den letzten 21 Jahren hat jeder Richter, der über seinen Fall zu entscheiden hatte, im wesentlichen die Argumente der Staatsanwaltschaft wiederholt, nämlich daß er derjenige war, der das Opfer im Dezember 1981 vergewaltigt und ermordet hat. Sie sagen, er habe es getan, weil das Opfer seiner früheren Freundin sehr ähnlich war, auf die er einen ziemlichen Haß hatte. Dazu führten sie das Geständnis an, das er gegenüber einem einfältigen drogenanhängigen Jugendlichen im Gefängnis abgelegt haben soll. Nun verkündet die Staatsanwaltschaft angesichts des DNA-Testergebnisses, das belegt, daß er das Opfer weder vergewaltigt noch ermordet hat, es sei irrelevant.
Aus solchen Hirngespinsten setzt sich die Todesstrafenmaschinerie in den USA zusammen.
Und Nick Yarris wartet weiter auf das Ende seines seit 21 Jahren andauernden Alptraums.

Übersetzung: Jürgen Heiser

 
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